Wichtiger Schritt Richtung Neubau der Friesenbrücke

Der Ersatzneubau der Friesenbrücke ist einen wichtigen Schritt vorangekommen. Anfang Dezember 2015 war die Emsquerung bekanntlich von einem Frachtschiff gerammt worden und seitdem ist der Bahnverkehr zwischen Leer und Groningen unterbrochen. Ende letzten Jahres hat die DB Netz AG den offiziellen Antrag für den Ersatzneubau beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) eingereicht. Bevor die Bauarbeiten beginnen können, muss die Genehmigung seitens EBA vorliegen.

Anlieger und Betroffene werden im Laufe des Jahres über die Pläne der DB mit der Friesenbrücke informiert und können anschließend im Rahmen eines Anhörungsverfahrens dazu Stellung nehmen.

Neue Brücke
Die Friesenbrücke über die Ems bei Weener ist Teil der künftigen Wunderline, der aufgewerteten Bahnverbindung zwischen Bremen und Groningen. Nach aktueller Planung sollen die Bauarbeiten für die neue Friesenbrücke Ende 2024 abgeschlossen sein und der Zugverkehr zwischen Groningen und Leer wieder aufgenommen werden.

Mit einer Durchfahrbreite von 50 Meter wird das Bauwerk eine der größten Drehbrücken Nordwesteuropas. Zudem erhält sie einen 2,5 Meter breiten Fuß- und Radweg sowie einen separaten Dienst- und Rettungsweg.

Wunderline
Die Inbetriebnahme der neuen Emsquerung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Realisierung der Wunderline. Allein dadurch wird die Bahnfahrt zwischen Bremen und Groningen bereits um 20 Minuten verkürzt. Wenn die Wunderline 2030 fertiggestellt ist, dauert die Fahrt von Bremen nach Groningen nur noch etwas mehr als zwei Stunden – und das ohne Umstieg. Vor der Zerstörung der Brücke waren es rund 2 Stunden und 45 Minuten.

Informationen
Weitere Infos zum Anhörungsverfahren und den Informationsveranstaltungen gibt es in Kürze auf der entsprechenden Projektseite der Deutschen Bahn: https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/friesenbruecke.

150 Jahre Bahnstrecke Oldenburg-Leer

Wie Oldenburger und Ostfriesen sich näher kamen

Von Rüdiger Zu Klampen

Quelle

Nicht alle jubelten über die neue Strecke. Aber sie brachte starke Impulse. Inwiefern eigentlich? Und was hat die Bahn mit der 55 Kilometer langen Verbindung in Zukunft vor?

OLDENBURG /LEER Wenn man heute in Oldenburg in den Zug steigt, um nach Leer zu fahren, dann ist man rund 40 Minuten unterwegs. Das war vor 150 Jahren, als die Bahnstrecke Oldenburg-Leer eröffnet wurde, natürlich ganz anders. Da musste man für die schnellste Verbindung 1:22 Stunden und für die langsamste 2:13 Stunden einplanen, wie der Eröffnungsfahrplan anzeigte. Gehalten wurde im Startjahr – wie heute – auf der 55 Kilometer langen Strecke in Bad Zwischenahn, Ocholt und Augustfehn, aber zusätzlich in Apen, Stickhausen und Nortmoor. Die Verbindung wurde am 15. Juni 1869 eröffnet. Oldenburg-Leer war die zweite Strecke, die die junge Großherzoglich-Oldenburgische Eisenbahn (GOE) in Betrieb nahm. Bereits 1867 war die Verbindung von Bremen über Oldenburg zum Marinehafen Wilhelmshaven (Heppens) eröffnet worden. Diese Strecke hatte weniger als veranschlagt gekostet – daraus ergab sich quasi Schwung für den weiteren Netzausbau.

Was sagt Eisenbahnfreund Horst Hollmann über die Strecke?
Hier habe sich „vor allem“ die Verlängerung der Strecke Bremen-Oldenburg nach Leer angeboten, schreibt Chronist Hans-Jürgen Gaida. In seinem Werk „Dampf zwischen Weser und Ems“ geht es nicht nur um die Erschließung des Oldenburger Landes. Ziel sei damals auch gewesen, „den Verkehr Ostfrieslands über oldenburgisches Gebiet zu lenken“. Davon erhoffte man sich offenbar Impulse.

Neue Strecke mit Vorteilen
Für Leer war die Eisenbahn nichts Neues. Ostfriesland war bereits seit 1856 über die Emslandstrecke des Königreichs Hannover (später Preußens) an das überregionale Netz angeschlossen. Die Ostfriesen fuhren rund 13 Jahre (bis 1869) um das Oldenburger Land herum. Dann brachte die neue Strecke große Vorteile: „Die Verbindung über Oldenburg nach Hannover ist 74 Kilometer kürzer“, erläutert Egbert Meyer-Lovis, der für den Norden zuständige Bahnsprecher. Die Linie sei eine „wichtige Verbindung in Niedersachsen“. Sie hat allerdings auch eine dunkle Seite – den Abtransport von Juden und anderen aus dem Deportationslager Westerbork in Richtung Konzentrationslager. Ein Schild vor dem Bahnhof Leer weist darauf hin.

Der Blick der Oldenburger ging vor 150 Jahren weit über Leer hinaus, in die Niederlande. Dort war man schon sehr früh an einer Verbindung von Groningen über Leer-Oldenburg nach Bremen interessiert. Die Nachbarn übernahmen dann sogar einen Teil der Kosten für den Anschluss von der Grenze bis Leer. Das Thema ist auch heute topaktuell: Eine deutsche-niederländische Initiative treibt Pläne für eine schnelle Verbindung Groningen-Bremen („Wunderline“) voran. Ein Kernstück ist Oldenburg-Leer. Es lauern aber einige Probleme. Etwa der Neubau der zerstörten Ems-Bahnbrücke bei Weener.

Auch die Planung der Verbindung Oldenburg-Leer 1869 war von erheblichen Konflikten begleitet. Beispiel: Der Hauptort des Ammerlandes, Westerstede, sollte ohne Anschluss bleiben! Stattdessen zogen die Planer die kürzere und kostengünstigere Linie über Bad Zwischenahn vor.

Impulse für die Region
Sie wurde für den späteren Kurort ein Meilensteins seiner touristischen Erfolgsstory. Zudem profitierten, wie überliefert ist, auch Lokale an kleinen Stationen wie Bloh von den neuen Ausflugsmöglichkeiten per Bahn. Zugleich eröffnete die Bahnstrecke für Küstenorte Ostfrieslands und die Inseln neue Potenziale. Es war ja so: Vorher wurden alle Wege zeitraubend, per Pferd oder bespanntem Fahrzeug, zurückgelegt. Nun eröffneten ganz neue Möglichkeiten für Reisende, Produzenten und Händler.

Die Bahnstrecke Oldenburg-Leer sei sofort sehr gut angenommen worden. Sie habe einen „wichtigen Impuls für die Entwicklung im Nordwesten“ gesetzt, erläutert Lioba Meyer, die mit Florian Nikolaus Reiss 2017 das jüngste Buch zur regionalen Bahngeschichte („Höchste Eisenbahn“) vorlegte. Dies gelte auch etwa für Häfen, Gewerbe oder agrarische Rohstoffe, einschließlich Torf.

Güterschuppen und Vieh-Verladerampen zeigten das bald vielerorts sichtbar an. Auch für die aufblühende Industrie wurde die Strecke zum Motor. Ein Beispiel ist die Eisenhütte in Augustfehn. Sie konnte ihre Produkte auf einmal – per Bahn – viel einfacher transportieren. Gleiches galt etwa für Torfbetriebe. Mancher Torf blieb allerdings in der Gegend. Auch die Dampfloks der „GOE“ nutzten ihn lange als Brennstoff!

Was ist anlässlich des Streckenjubiläums geplant? Das Beispiel Ocholt
Die Bahnstrecke Oldenburg-Leer, die über Anschlussbahnen ab Ocholt (nach Cloppenburg und nach Varel/Ellenserdamm) sowie ab Bad Zwischenahn (nach Edewechterdamm) auch noch weiter in die Region ausstrahlte, hat nicht nur eine interessante Vergangenheit. Auch die Zukunft wird spannend.

Wie geht es konkret mit Oldenburg-Leer weiter?
In den nächsten Jahren dürfte es einige Veränderungen geben. So verweist der Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG/Hannover), Rainer Peters, etwa auf das Gemeinschaftsprojekt „Wunderline“ (Groningen-Leer-Oldenburg-Bremen). Dafür gebe es eine „Fixierung“ zwischen Niedersachsen, Bremen und der niederländischen Provinz Groningen. In der ersten Ausbaustufe – Ziel: bis Ende 2024 – solle eine Reisezeit von 2:30 Stunden erreicht werden. Dafür seien keine Veränderungen an Oldenburg-Leer erforderlich. Aber: In der 2. Ausbaustufe (Ziel: bis Ende 2030) solle die Reisezeit auf ca. 2:10 Stunden verkürzt werden. Dafür sei ein „abschnittsweiser zweigleisiger Ausbau zwischen Leer und Oldenburg erforderlich“. Dafür gilt nach Informationen unserer Zeitung der Abschnitt Augustfehn-Stickhausen als erster Kandidat.

Aus der Geschichte des Bahnhofs Augustfehn
Der Pro-Bahn-Regionalvorsitzende „Ems-Jade“, Hans Joachim Zschiesche, hält sogar ein zweites Gleis auf der gesamten Strecke für „dringend“. Sonst werde es „mehr als eng“. Zschiesche würde gern die Regio-S-Bahn Bremen-Oldenburg-Bad Zwischenahn bis Leer verlängern – „mit guten Anschlüssen an die Westfalen-Bahn“ (RE 15).

Bessere Anschlüsse in Leer?
Da ist was im Gang: Nach der zweiten Ausbaustufe werde es möglich, in Leer kurze Anschlüsse vom Regionalexpress (RE) 1 und vom Intercity aus Richtung Oldenburg an den RE 15 Richtung Emsland herzustellen, sagte LNVG-Sprecher Peters. Er wies auch auf Stations-Modernisierungen in Augustfehn (2021/22) und Westerstede-Ocholt (2024/25) hin. „Land und Bahn planen den barrierefreien Ausbau“, bestätigt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

Und schließlich: Ab 2023 würden „sehr komfortable“ neue Doppelstock-Regionalexpresszüge zwischen Norddeich und Hannover eingesetzt, kündigt LNVG-Sprecher Peters an. Geplant sind „Flügelzüge, die in Oldenburg geteilt werden könnten (nach Leer und Wilhelmshaven).

Pro Bahn denkt schon weiter: Sprecher Zschiesche könnte sich auch eine Flügelung der IC-Verbindung Oldenburg-Leer und der „Wunderline“-Züge vorstellen, mit Beteiligung Wilhelmshavens.